3 Wohnwelten

Avantgarde und Inspiration
Der Interior Designer und Sammler Stephan Schilgen hat einen eigenwilligen Stil,  der internationale Auftraggeber begeistert. Im Metropol Park hat er drei Räume ausgestattet, die einen Vorgeschmack auf das Leben an diesem besonderen Ort geben.


Als Sammler haben Sie einen Fundus  von rund 30.000 Designobjekten zusammengetragen. Wann haben Sie diese Leidenschaft entdeckt?
Ich war schon als Kind Sammler. Die Nachbarskinder hatten damals auf einer Baustelle einen Faustkeil ausgegraben, der heute noch auf meinem Schreibtisch liegt. Ich sammele überwiegend Designobjekte, aber auch Dinge, die andere Leute wegschmeißen.


Manche haben ein Bücherregal, ich habe Regale voller Sofas. Jedes Stück hat seine Geschichte und für mich etwas Beseeltes. 


Als Interior Designer setzen Sie Ihren authentischen Stil immer wieder leidenschaftlich in Szene. Wie kam es dazu?
Ich hatte meinen Club Kurvenstar in Berlin in den Neunzigern so schick eingerichtet, dass Leute sagten: Das will ich auch so haben. Dann habe ich alle Fernsehtudios für MTV Germany, öffentliche Auftritte für T-Mobile International, die mobiliare Infrastruktur der Bread & Butter und danach sieben Jahre lang die Berliner Fashion Week gestaltet.  Das Haute-Couture-Label Dorothee Schumacher erhielt durch uns den weltweiten Look für Shop-Flächen und bei Shows. Parallel dazu liefen immer Jobs im öffentlichen und privaten Interior Design.


Und wie lautete Ihre Aufgabenstellung für Metropol Park?
„Gestalte drei Räume, die eine jeweils eigene Atmosphäre widerspiegeln“, mehr nicht. Der Bauherr wusste bereits, wie ich arbeite, dass bei mir die Strategie aus dem Gefühl entsteht. Ich hatte mir diese Räume nicht vorher überlegt. Das hat sich intuitiv ergeben.


Entstanden sind drei fünf mal fünf Meter große Räume für unterschiedliche Interessentengruppen.
Das Set „Sanssouci” wirkt mit der gemalten Tapete preußisch-klassizistisch, verbildlicht gleichzeitig den Farbenfrohsinn der Zeit und ihren humboldtschen Faible für Exotik. Der Holzboden evoziert etwas Romantisch-Sommerhausiges. In den Settings „Globetrotter” und „Backstage” spiele ich mit sexy Referenzen, die einem internationalen Publikum einiges bieten.


Was unterscheidet Sie von anderen Interior Designern?
Ganz klar: Das ist mein Fundus. Es ist diese ganz andere Arbeitsweise, die mir mein Fundus ermöglicht. Die verschiedensten Stile und Epochen können vor Ort bereits versuchsweise gemixt werden, das trägt zu einer viel höheren Stilsicherheit bei. Der Auftraggeber kauft neben den vier Wänden auch ein Stück Persönlichkeit, in der er sich wiederfinden kann, das ist mein Ehrgeiz. Wenn ich in diesem riesigen Füllhorn Fundus ganz ungewöhnliche Farbwelten zusammenstelle, denke ich dabei treu an die Ausstrahlung des Kunden, fühle mich in ihn hinein und erlaube mir den Luxus, ständig inspiriert zu sein.